March 22, 2006

2004-07 InterRail

InterRail 2004-08-16

20.7. 2:40 Markus
Sodele. Nachdem ich felsenfest davon überzeugt war, dass wir nun halb 3 losfahren würden, war ich auch um 2:30 Uhr abmarschbereit. Doch irgendwie hatte sich Moritz 3:00 Uhr als Abfahrtszeit notiert. Also gut. Wir fahren übrigens nach Stuttgart, um von dort aus mit dem Flieger nach Wien zu kommen. Klingt teuer, isses aber nicht – Germanwings sei Dank. Somit zahlen wir die Hälfte des Preises für ein Bahnticket und brauchen 1/7 der Zeit. In Wien wollen wir Mooni & Karin (aka Waltraud & Waltraud) von der letzten Interrailtour besuchen. Wie ich hier so sitze und warte, hält ein Mann mit arabischen Akzent neben mir. Er will wissen, was ich um diese Uhrzeit hier tue. Auf meine Frage, warum er das wissen wolle meint er, er sei „Sicherheitsbeauftragter“. Aha. Meine Frage nach seinem Namen bzw seinem Auftraggeber will er allerdings nicht beantworten. Sodele, dann dürfte ich auch gleich abgeholt werden…20.7. 4:20 Moritz
Am Flughafen Stuttgart angekommen bekommen wir mit, dass der Flieger eine halbe Stunde später geht. Auch okay. Jetzt liegen wir gerade auf der höchsten der drei Ebenen vor einer metallenen Bosch-Weltkarte rum, Zeit ist ja noch genug. Langsam füllt sich auch die Wartehalle unter uns, die ersten Schalter machen auf. Nach Wien soll es in Richtung Ungarn, später Rumänien, Bulgarien und Griechenland gehen, auf dem Rückweg Elio, Christian und dessen Freundin sowie meine Eltern besuchen. Soweit zumindest die Planung. Ansonsten noch zu mir: Das ist meine erste Interrail-Tour, war bisher nur „richtig“ zu Fuß mim Rucksack unterwegs. Erwartungen: weniger laufen, mehr sehen!

21.7. 21:15 Moritz
So loongsoaaam (wie so vieles in Wien) geht unser zweiter Doag in österreich zu Ende. Freundlicherweise dürfen wir bei Karin und Moni wohnen, Altbauwohnung, die wir gestern auch gleich gefunden haben. Naa gut, aber fürs erste Mal an der richtigen Haltestelle vorbeifahren konnten wir nichts, die Lautsprecherdurchsagen der Straßenbahn waren einfach so langsam, dass man schon an der nächsten Station ist bis der Mensch mal zum Punkt kommt. Kulturell hat Wien wirklich verdammt viel zu bieten. Wir haben heute tausende von absolut faszinierenden Gebäuden, Schlössern, Kirchen, Denkmälern usw. gesehen. Diese sind auch noch fast alle zwischen 1870 und 1890 gebaut worden… müssen die da Geld gehabt haben. Hab jetzt nicht mehr viel Zeit, es geht gleich mit Karin (Markus hat gerade Katrin gesagt…) und Moni ins Flex. Hab ich schon erwähnt, dass die beiden nicht richtig sprechen können?

22.7. 7:00 Markus
Um Moritz’ Bericht fortzusetzen: Ja, Karin und Moni können nämlich kein Deutsch. Aber wir sind nicht die ersten, die das festgestellt haben (Gruß an KaTrin und Moni sowie die Bekanntschaft aus Paris). Jedenfalls kann man sie mit etwas Freestyledenken sowie einer gehörigen Portion gutem Willen dann auch verstehen. Auch Katttrin. Nachdem wir vorgestern schon etwas Wien angesehen hatten, haben wir uns gestern ne gehörige Portion Kultur gegönnt. Absolutes Highlight dabei war der Souvenirladen des Zoos (mit Kattrin hinterm Tresen) sowie die dort erhältlichen Plastikastronauten für 1.99EUR. Leider konnten wir noch nicht herausfinden, wo genau sich im Wiener Zoo das Astronautengehege befindet. Heute sind wir ja schon um 7 aufgestanden, denn wir wollen gegen Mittag in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, sein. Lange wollen wir dort nicht bleiben. Mal sehen, „wie sich das ausgeht“…

22.7. 8:47 Moritz
Jetzt sitzen wir wieder vorm Souvenirshop, wollen uns noch mal von der guten Ka(t)rin verabschieden und uns, nachdem wir uns gestern so schnell aus dem Staub gemacht haben, um die Bahn zu bekommen, noch mal bedanken. Eigentlich wollte ich ja noch einen Plastikastronauten kaufen, mir fällt nur einfach niemand ein, der sich über so etwas freuen würde. Gerade ist uns wieder ein Beispiel für die wirklich faszinierende Bürokratie österreichs begegnet: Der Kindergarten, der den Zoo besucht. Die Kinder bekommen (mindestens) tausend Regeln und Auflagen, die sie zu befolgen haben („keine Weckerl, Semmerl reinwerfen und Papierlen auch nicht und wenn man in den Käfig steigt könnte man gegessen werden“). Das erinnert mich irgendwie an die Einbahnstraße, durch die absolut niemand durchfahren darf. Außer Bussen, U-Bahnen, Straßenbahnen, Radfahrer, Müllfahrzeuge, Notärzte, Polizei und Feuerwehr… und natürlich ist alles separat unter das Einbahnstraßenschild vermerkt… Ordnung muss sein!

22.7. 20:00 Markus
Und dabei fing alles so gut an.. Doch von vorne: Nachdem wir uns von Katrin verabschiedet hatten fahren wir also zum Bahnhof und von dort aus nach Bratislava. Dort ‚sollten’ wir 3 Stunden Aufenthalt haben. Diesen gewollten Aufenthalt nutzten wir wie geplant zur Besichtigung Bratislavas. Bratislava ist an sich ganz nett und man kann vielerorts sehen, wie der Kapitalismus Einzug erhält – im positiven wie auch negativen Sinne. Nicht ganz geplant war nach diesem Aufenthalt die Verspätung unseres Zuges. Aber die 35 Minuten waren verkraftbar. Was langsam allerdings grenzwertig wird: Der Zug steht seit über einer Stunde in der Pampa mit einem technischen Defekt. Wenigstens kühlt es nun etwas ab, da die Sonne untergeht. Toll. Zur Verdeutlichung: Eigentlich wollten wir um 19:10 (bei TAGESLICHT) in Budapest sein, damit wir noch sicher eine gemütliche Bleibe finden. Jetzt, wir sind nicht ansatzweise in Budapest, ist es 20:40. Na toll.

21:40.. öRKS! Angeblich wollen sie den Motor wechseln..

22.7. 21:46 Moritz
Wir fahren!!! Eigentlich dachte ich, der Zugführer hätte es nur endlich geschafft die Bremsen zu lösen.. Aber wir fahren schon seit 2 Minuten und werden immer schneller… Jugendherberge, wir kommen! (Mir wär’s ja egal, aber Markus hätte gerne eine Dusche ;-) )

24.7. 14:46 Markus
Nachdem wir gestern kein Eintrag gemacht haben, werde ich das nu mal nachholen. Man glaubt es kaum, aber wir sind vorgestern dann doch noch in Budapest angekommen. Dort haben wir dann mit zwei Dänen, die wir im Zug kennengelernt hatten, eine Bleibe für die Nacht gesucht. Im Endeffekt landeten wir in einem achtstöckigen Plattenbau – 25EUR die Nacht für 2 Personen. Dazu kostenlos Internet. Nun ja, weniger tragisch erschien anfangs die etwas heißen Zimmer (ganztägige Sonneneinstrahlung sei Dank) doch des Nachts rächte sich dies auf bitterste Weise. Am nächsten Tag (gestern) erkundeten wir dann Budapest. Alles sehr imposante Bauten hier – speziell das Parlament. Sonstige interessante Dinge hier bewegen sich und waren durchweg weiblich. Frauen in Ungarn im „gebärfähigen“ Alter bzw von allen deren Kleidung lässt einem zuweilen die Augen aus dem Kopf fallen. Ob es sich dabei um nicht vorhandene BHs, nicht vorhandene Tangas (unter fast durchsichtigen Leinenhosen) oder Miniröcke (mit zwei Schlitzen an der Oberschenkelvorderseite) handelt, spielt keine Rolle. Jedenfalls besuchten wir außer dem Parlament auch noch ne Festung auf Budapests’ Hausberg sowie abends einen Park auf der Donauinsel. Dort gab’s nen Brunnen, der zur Musik „tanzte“ sowie ca. 10.000 Moskitos. Diese veranlassten uns dazu, den Park auch bald wieder zu verlassen. Wir setzten uns noch in einen gemütlichen Biergarten und lernten wichtige Begriffe auf ungarisch kennen: „Edj Sör“ heißt z.B. „Ein Bier“, analog kann man anstelle von „Sör“ auch „Bor“ sagen – dann gibt’s Wein. Unser überleben ist also gesichert. Nach einer weiteren kühlen (haha) Nacht geht es heute in Richtung Balaton. Der größte See Europas wartet nur so auf uns. Vor der Abfahrt haben wir den heutigen Tag mit Relääääxxen verbracht. Zu erst waren wir auf dem Lehelmarkt, einem riesigen Obst/Gemüse/Fleisch/Nüsse/Kleider/und einfach alles Markt. Mit einer Wassermelone ausgestattet wollten wir ins Schwimmbad, haben den Plan allerdings bald wieder verworfen. Denn die Schlange vor dem Schwimmbad war so lang, dass wir uns spontan dazu entschlossen im Park zu relaxen. War auch ganz angenehm ruhig hier, außer dass irgend ein komischer Typ uns ein Fernglas „zum Frauen schauen“ verkaufen wollte. Aha. Wir haben abgelehnt. Jetzt aber los zum Bahnhof. Und mein Rücken tut weh. So.

24.7. 16:20 Markus
So, jetzt fahren wir zum Plattensee. Was gibt’s an Budapest noch erwähnenswertes? Nun ja, alles was sich auf maximal 2 Reifen fortbewegt ist mehr oder weniger total krank. Der lauteste Endtopf ist gerade laut genug, Geschwindigkeitsbeschränkungen werden großzügig aufgerundet, speziell nachts. Dann ist gegenüber des Hauptbahnhofes Bikertreff. Inklusive Motorradrennen. Da kann man dann auch psychopatische Hochgeschwindigkeitswheelies sehen. Jetzt sind wir im Zug Richtung Balaton (ich glaub das hab ich schon mal gesagt..) Unser Hauptgesprächsthema: die Frau, die bis eben noch hier saß, ist leider ausgestiegen. Ihre Markenzeichen? Moritz meint, ein Muster in ihren Achselhaaren erkannt zu haben. Außerdem trug sie unter der weißen Leinenhose eine FAST nicht sichtbare schwarze Hotpants sowie zur Krönung eine wunderschöne, grün verspiegelte Sonnenbrille. Vielleicht hat sie unsere Lästereien verstanden, jedenfalls hat sie uns zum Abschied gewunken…

24.7. 18:15 Moritz
Bin jetzt einmal durch den Zug gewandert, muss echt sagen, so ein Zug ist in Ungarn schon ein Abenteuer für sich. Wir haben mit dem letzten Abteil richtig Glück gehabt. Die Toilette geht hier zwar auch nicht, aber wenigstens kommt kein Wasser aus der Wand und die Sitze sind auch nicht versifft oder vollgeschmiert. Hatte eigentlich gehofft, ein paar andere Interrailer zu treffen, aber nix is. Dafür sind unsere ungarischen Nachbarn aber ganz lustig. Sie reden zwar nicht wirklich mit uns, malen sich aber gegenseitig mit Edding auf der Haut rum und lachen die ganze Zeit… Wir sollten nachher mal fragen, ob sie was übrig haben (ok ok, ganz so wild ist es auch wieder nicht ;-) )

26.7. 12:07 Moritz
Die letzten zwei Tage keine Einträge, dabei ist so viel spannendes passiert.. Unsere lustigen Mitfahrer sind übrigens nicht in Balatonfüred ausgestiegen, wir sollten später noch erfahren warum… Wir dort angekommen, erst mal zur Touristinformation und nach einem Campingplatz gefragt. Je näher wir dem beschriebenen Ziel kommen, desto mehr Leute laufen uns entgegen. Der Zeltplatz scheint recht groß zu sein, wir sehen schon von einiger Entfernung aus die Wohnwagenreihen. Aber was soll’s, ist ja der einzige Campingplatz hier. Nichtsahnend laufen wir in die tolle erste Überraschung: Der Campingplatz kostet genauso viel wie die nicht ganz billige Jugendherberge in Budapest. Unser Platz ist zwischen ein paar Deutschen und Holländern. Na ja, wahrscheinlich hat sie uns nur in das Viertel mit den „Landsmännern(und Frauen)“ gesteckt. Nach dem Zeltaufbau erkunden wir die Gegend, wollen an den See, aber egal wo wir langlaufen, überall nur Holländer und Deutsche!! Nur auf dem Weg zum Schwimmbad haben wir später noch ein Dänisches Dorf entdeckt. Die nächste Überraschung: Unser Campingplatz hat einen Supermarkt, zwei Gemüseläden, 7-8 Restaurants, 4 Kleiderläden, ebenso viele Postkartenstände, zwei Eisdielen, unzählige Bars und zwei Spielhallen, Elektroscooterverleih, Surfschule und eine Wake-Board- Anlage… er ist einfach riesig! Und überall laufen Holländergangs mit übercoolen, kiffenden, rauchenden und trinkenden 14-Jährigen Mädels mit rosa Oberteilen rum (Markus und Elio hatten da so eine Theorie, dazu wird er wohl aber selbst noch was schreiben). Kurz und knapp: Es war recht teuer und stinklangweilig, abends haben sich alle 14-Jährigen in einer Spielhalle getroffen, sonst gab’s überhaupt nichts! Heute sind wir endlich wieder auf dem Weg nach Budapest. Achja, nicht dass es den Anschein erweckt, der Plattensee wäre nicht schön – man sollte sich nur einfach einen kleineren Campingplatz suchen…

26.7. 13:15 Markus
Ja, der Campingplatz war nicht so der Renner. Also im Grunde war es der beste Campingplatz der Welt – für Familien. Da wussten die lustigen Ungarn aus dem Zug mehr als wir. Sei’s drum, der Plattensee an sich ist wirklich schön. Doch die Wassersichtweite beträgt, wenn es hoch kommt, 15cm. Memo für daheim: Googeln nach „Balaton + Wasserqualität“ – zumal Moritz der Ansicht war, das Wasser würde nach Spülmittel schmecken.

Ergebnis der Googlesuche:

„Das Wasser des Balaton ist nicht so klar wie das anderer Seen, es schimmert bei Tageslicht grün- bläulich. Das leicht trübe Wasser ist aber nicht etwa ein Zeichen von Verschmutzung, es kommt vielmehr von der geringen Wassertiefe an vielen Stellen in Zusammenspiel mit der Farbe des Himmels und der Wolken. Im Gegenteil: Der Balaton gilt sogar als einer der saubersten Seen: Er wird im Südwesten vom Fluss Zala und im Norden von einem klaren Bach gespeist. Der größte Wasserabfluss befindet sich in Siófok. Durch den dortigen Sió-Kanal wird der Pegelstand konstant gehalten. Das gesamte Wasser des Balaton kann sich so innerhalb von zwei Jahren quasi austauschen. Um die hohe Wasserqualität zu halten, sind Motorboote (abgesehen von einigen Ausnahmen) strengstens Verboten.“

Hm. Sauberes Wasser schmeckt nach Seife? Und Motorboote sollen verboten sein?! Nunja.

Noch etwas: Ich war wieder mal froh, dass es Niederländer gibt – So fallen die Deutschen nicht so sehr auf. Zumindest im Urlaub. Sei es das beleuchtete Partyzelt, der eigene Kühlwagen, der Holland on Tour Aufkleber auf dem Zelt oder die allgegenwärtige Hollandflagge. Dieses Volk besteht nur aus Campingexperten! Zumal alles was aus Holland kommt und weiblich ist versucht, sich so rosa wie möglich zu kleiden. Dieser Rosatrend konnte man ja bereits in Spanien erkennen. Jetzt sind wir wieder in Budapest. Hier haben wir Aufenthalt bis heute Abend um 11, dann geht es weiter Richtung Sofia. Ich sitze hier irgendwie im Bahnhof, Moritz wollte nur kurz Tickets holen gehen. Aber irgendwie kommt er nicht zurück. Hm.

26.7. 23:18 Moritz
Jop, hat wirklich eine Weile gedauert, war zwar ein extra Schalter für internationale Tickets, aber der wurde wohl auch nur eröffnet, damit die Verständigungsprobleme nicht den Rest aufhalten… Vor mir wollen zwei nach Rumänien, haben aber irgendwelche Rabattmarken mit denen die Frau am Schalter schon seit 10 Minuten verschwunden ist, rechts neben mir sind 3 Asiaten, die von Budapest nach Venedig in einem Schlafwagen und ohne Umsteigen wollen.. Ob’s so was gibt? Nach Ewigkeiten komme ich an die Reihe. (Okay, ich weiß ja, Markus hat mir schon ein paar Mal gesagt, dass ich zu nett bin, aber ich habe eine Frau vorgelassen die ihren Zug in 15 Minuten noch erwischen musste…) um festzustellen, dass ich für Markus ohne seinen Pass kein Ticket kaufen kann.. LOL.

27.7. 14:00 Markus
Also. Karten haben wir dann doch noch bekommen. Die Nachtfahrt fand ich auch okay, der heutige Tag war mein erster ohne Rückenschmerzen. Was vor der Abfahrt noch geschah? Nix besonderes. Haben noch ne (dicke) Amerikanerin kennengelernt. Die hat uns unser Ungarisch-Englisch-Wörterbuch für 7USD abgekauft. Dann noch 3 circa 16 jährige Engländerinnen, die nach Transsilvanien wollen. Aha. Später (wir mussten bis 23:50 Uhr warten) wollten wir noch unsere Metrotickets verschenken – immerhin waren sie an dem Tag noch gültig. Irgend ein Touristguide meinte, dass ich ihm durch meine Tätigkeit das Geschäft vermasseln würde. Also drohte er mir kurzum an, dass ich m eine Tour nicht fortsetzen könne, sollte ich nicht augenblicklich ruhig sein. Aha. Um 23:50 Uhr (wahrscheinlich war es später, Pünkltlichkeit existiert bei der Ungarischen Bahn nur theoretisch) fuhren wir dann also los in Richtung Belgrad. Trotz dem wir nur einen Sitzplatz hatten, konnten wir uns gut breit machen. Wie bereits erwähnt schlief ich sehr gut. An sonsten hatten wir auch nen ganz netten Abteilkollegen, der uns wichtige Begriffe auf kroatisch erklärte. Heute Morgen dann kamen wir in Belgrad an. Hm. So nah an Europa und doch so fern. Soweit der erste Eindruck. Doch sollte uns dieser nicht täuschen. Die Straßen: Eine Ansammlung von Schlaglöchern. Die Autos: Teilweise verwunderlich, sich mit so was auf die Straße zu trauen. Die Häuser: a) verfallen b) zerbombt. Vom Fall b) haben wir sogar Bildmaterial gesammelt. Außerdem sind wir in eine Demonstration geraten. Irgendwelche Eisenbahner, die mehr Lohn wollen und ab morgen die Züge lahm legen wollen. Wie gut, dass wir heute fahren. Eigentlich wollten wir über Nacht nach Sofia. Doch den Plan haben wir schnell über Bord geworfen, nachdem das Wetter hier in Belgrad so beschissen ist. Es ist unglaublich: Alle Schlaglöcher und Senken auf der Straße verwandeln sich in Seen, welche untereinander mit teils reißenden Flüssen verbunden sind. Wenn man also nicht von oben nass wird, tritt man zu 99 % in eine Pfütze. Schafft man es, zu dem glücklichen ich-trete-nicht-in-die-Pfütze-Prozent zu gehören, kommt sicher ein Auto angefahren – durch ein Schlagloch, versteht sich – und spritzt dich nass. Wie in den allerschlechtesten Filmen spritzt dann eine Wasserfontäne den Fußgängern entgegen und durchnässt diese. Der Einfachheit halber könnte man jetzt ja einfach im trockenen bleiben. Aber neeiin, wir brauten Geld und sind auf der Suche nach einem unsere Karten akzeptierenden Bankautomaten halb Belgrad im strömenden Regen abgelaufen. Es ist nicht schwer, sich auszumalen, wie wir aussahen. Um die Sache allerdings zu verdeutlichen: Kein Taxifahrer erklärte sich dazu bereit, uns zum Bahnhof zurück mitzunehmen. Postkarten existieren in dieser Stadt übrigens nur Gerüchten zufolge. Aber ich weiß auch positives über Belgrad zu berichten. Angeblich hatten wir hier vor 2 Tagen über 30°C. Und es soll eine wirklich sehenswerte Zitadelle geben – die wir aber bei diesem Wetter bestimmt nicht ansehen werden. Und, sollte es hier nochmals wild werden: Die „Blumenkübel“ vor der Amerikanischen Botschaft funktionieren bestimmt auch als Panzersperren. Da hat die Deutsche Botschaft mit ihren vergitterten Fenstern noch starken Nachholbedarf. Sodele. Mein Bericht ist fertig, das Wetter hat sich nicht ansatzweise geändert… Surprise, surprise…

27.7. 21:22 Uhr Moritz
Nach den letzten ereignisreichen Stunden in Belgrad (wir wussten ja am Anfang gar nicht, um was es eigentlich geht, wir hatten überall nur „Beograd“ (in Landessprache) gelesen und wussten damit nichts anzufangen…) sitzen wir schon wieder über Nacht im Zug, hoffentlich raus aus dem nass-kalten Osten, nach Thessaloniki. Aber noch mal zurück zu Belgrad. Im Lonely Planet stand, dass die Stadt in ihrer 2300-jährigen Geschichte über 40 Mal eingerissen und neu aufgebaut wurde. Und das sieht man wirklich! Überall gibt es verschiedene Gebäude aus unterschiedlichen Zeiten, einfach so nebeneinander. Die Stadt hat einfach ihren eigenen Charme, wenn man im Regenwetter vorbei am Verteidigungsministerium – mit zwei riesigen Löchern von Raketen – auf dem Weg zu interessanten Kneipen in Hinterhöfen an modernen Elektronikläden oder McDonalds vorbeikommt. Gut, es ist schon Geschmackssache, aber alltäglich ist Belgrad sicher nicht. So gesehen war das Wetter auch recht passend, ich denke ohne Regen hätte die ganze Stadt nicht „richtig“ gewirkt. A propos Elektronik: Damit Markus sich nicht jedes Mal in den Hintern beißt, wenn er an das T- 610 denkt, das hier nur die Hälfte vom Ladenpreis in Deutschland kostet (und auch noch original, mit Rechnung) und er es nicht mehr kaufen konnte, weil wir erst um 17:30 Uhr im Internetcafé (bei Mcdonald’s kostenlos!) merkten, dass unser Zug um 17:45 Uhr abfährt haben wir durch knallharte Logik kombiniert, dass der Verkäufer es eh nicht mehr auf Lager gehabt haben kann! Da wir ja zu spät dran waren, sind wir so zum zweiten Mal an diesem Tag bei strömenden Regen (ok, nicht mehr ganz so arg wie vorher) durch Belgrad gerannt. Achja, wer das noch nicht gemacht hat, sollte es dringend nachholen. Eine Erfahrung, die man nicht vermissen sollte ?

28.7. 7:00 Uhr Markus
UUUUAAAAH! Haben gerade die Grenze zu Griechenland passiert. Doch die Griechen regeln alles etwas anders als der Rest. Während unsere Pässe sonst immer im Zug kontrolliert/gestempelt wurden, mussten wir uns dieses Mal aus den Schlafsäcken heraus auf den Bahnsteig zur Polizeistation quälen, um unsere Pässe dort wieder in Empfang zu nehmen. An ein Fortsetzen des Schlafs nicht zu denken. Um noch mal auf Belgrad zurückzukommen: Wir haben dort ein paar Deutsche & österreicher kennengelernt. Echt nett, wir wollen sie vielleicht in Rom wieder treffen. Entgegen unseren bisherigen Planungen wollen wir vielleicht über Italien und Slowenien nach Kroatien reisen, da wir für den Balkan bis jetzt nur eine Woche gebraucht haben. Mal sehen. Ach ja, die Sache mit dem Handy war wirklich ärgerlich. Nachdem mein Mobiltelefon aufgrund von regenbedingtem Wassereinbruch den Geist aufgegeben hatte, dachte ich kurzzeitig an den Neuerwerb eines Handys. 286EUR anstelle 299 in Deutschland. Unverschämt günstig. Auf der anderen Seite ist es nicht so schlimm, dass ich es nicht gekauft habe, da mein eigenes wieder unter uns lebenden weilt *freu*. So jetzt gibt’s Frühstück…

28.7. 17:32 Markus
Wahoo! Thessaloniki! Sonne! Meer! Warm! Kurze Röcke & T- Shirtwetter! Und obendrein noch Alex. Alex, seines Zeichens DJ, kennt ALLE. Zumindest hatte er das per eMail angekündigt. Ich hatte ihn per Zufall im Internet kennen gelernt. Er bot uns an, sich in Thessaloniki zu treffen – in der Stadt, in der er ALLE kennt. Und das tut er auch. Durchgestylt bis ins letzte Detail treffen wir also Alex. Wir, in gammeligsten Interrailklamotten, kommen uns ‚etwas’ deplaziert vor. Macht aber nix, gleich geht’s in ein Superstylocafé an der Promenade. Bezahlen müssen wir nix, alles geht aufs Haus. Alex kennt wirklich alle. Jede gut aussehende wird mit Küsschen links, Küsschen rechts begrüßt. Alex kennt alle. Andere Superstylos werden per Handschlag begrüßt, modische Sonnenbrillen sowie die neusten Outfits präsentiert. Alex kennt alle. Wir sollen doch heute abend in das Café kommen, in dem er auflegt – das Deplatzierungsproblem. Also gehen wir morgen Kleider kaufen, dann geht’s morgen abend weg. Jetzt noch Postkarten kaufen…

29.7. 19:00 Moritz
Nachdem wir Postkarten gekauft hatten, trafen wir auf unsere Mitbewohnerin in der Jugendherberge. Ein nettes Mädel aus Australien. Mit ihr und einem ungesprächigen (bzw schüchternen) Mädel aus Salzburg (mit vielen Schnakenstichen) zogen wir dann los, Thessaloniki zu erkunden. Hatte mir vorgenommen, alle Orte von denen ich Postkarten gekauft hatte auch mal zu sehen… Auf dem Weg zur Stadtmauer gab es diverse rallige Tiere zu beobachten, die sich auch von den Autos nicht stören ließen. Die alte Stadtmauer geht über einen Berg und erschließt so die Teile der Altstadt, die nicht am Wasser liegen. Vom Berg aus hat man eine gigantische Aussicht über die darunter liegende Ebene, gerade bei Nacht wirklich zu empfehlen! Nach einem Abstecher im Internetcafé (Markus versuchte den Besitzer davon zu überzeugen, dass Onlinespiele in Internetcafés illegal wären und schon 2 Cafébesitzer verhaftet wurden, echt witzig) ging’s dann früher ins Bett. Nach 2 Nächten im Schlafwagen eine willkommene Alternative. Heute morgen schlafen wir bis um 9 Uhr, zum ersten Mal gibt es Müsli zum Frühstück. Achja, hier gibt es Milch mit 0% Fett! Damit wir unseren supercoolen DJ endlich auch mal abends begleiten können, gehen wir noch mal einkaufen und treffen ihn um 14 Uhr. Wollten wir zumindest. Eigentlich wollten wir mit irgendwelchen Mädels an den Strand, er sagt aber kurz vorher, dass seine Freundin mitkommt und wir die Anderen deshalb daheim lassen.. Auch Ok… Um halb 3 kommt er schließlich mit Freundin. Echt nett, er zeigt uns einen schönen Strand, endlich blaues Wasser, toller Sand. Aber was er für Sprüche im Beisein seiner Freundin loslässt, ist echt der Hammer! Ein richtiger Macho, so schickt er sie zum Beispiel ins Wasser, wenn’s schön ist, soll sie ihn holen. Und er redet davon, wie toll seine Exfreundin in den ersten vier Monaten war. Und von seinem Freund, dem Barkeeper, der zwar hässlich ist, aber der flachlegen kann wen er will – und von dem Alex viel gelernt hat. Und wie seine Arbeit als DJ mit 20 Mädels vor der Theke so ist. Und, und, und… Irene (seine Freundin, ihre Eltern haben übrigens einen Gyrosimbiss ;-) ) muss da wirklich einiges aushalten… na ja, heute abend sehen wir sie ja wieder.

29.7. 21:44 Markus
Ja, DJ Alex ist schon der Hammer. Seine Freundin bekommt einiges ab. Grüne Farbe zum Beispiel. Beim Befüllen von Druckerpatronen hat Alex sich einen grünen Fleck auf den Bauch gemacht – den er bei entsprechender Gelegenheit per „Stempelverfahren“ dann beispielsweise an seine Freundin weitergibt. Die hat nun auch einen grünen Fleck. An sonsten ist er schwer in Ordnung und ein typisch griechischer Autofahrer. Das bedeutet, wenn beispielsweise 2 Spuren auf der Autobahn verfügbar sind, aber gerade 3 Autos mal nebeneinander fahren wollen, dann tun sie das eben. Außerdem ist die Autobahn für alle da. Autos, Rollerfahrer(ohne Helm) sowie auch für Radfahrer. Jetzt geht’s dann aber mal los. Ach, noch was: In der Jugendherberge Thessaloniki kann man auch kostenlos übernachten: Zwar ist die Eingangstür ab 23:00 Uhr verschlossen, doch links an der Tür ist ein weiterer Griff. Ein Zug daran und die Tür öffnet sich. Der JH Besitzer ist von 23:30 bis ~7:30 nicht da – 15EUR gespart…

30.7. 21:56 Moritz
Gestern abend sollte es (mit unseren neuen Outfits) in einen Bazoukaclub gehen. Wir hatten davon gehört, dass man anscheinend keine Tanzfläche hat und überall Tische stehen. Wer also tanzen möchte tut dies am besten auf dm Tisch. Soweit jedenfalls die Theorie. Praktisch scheiterte das ganze dummerweise an unserem Lonely Planet aus dem Jahre 2001: An der angegebenen Adresse fanden wir nur ein recht neues Haus. Also, kein Bazouka. Dafür durften wir einen Griechen erleben, der in der Innenstadt mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit um die Kurve geschossen kam und in der beidseitig zugeparkten Straße anfing, hin- und herzudriften. Die Straßenverkehrsordnung, wenn es sie denn gibt, ist halt doch eine andere hier… Heute morgen ging es etwas früher los, die JH ist inzwischen voller geworden. Über Nacht kamen noch ein Holländer mit türkischer Freundin sowie ein Amerikaner. Nachdem jeder einmal unter der „Dusche“ stand – das Wasser ist genau 5 Minuten lang warm und man stellt es an „Industriehebeln“ an, jeweils einer für warm und einer für kalt – laufen wir mit „Australien“, der 34-jährigen Margreth – woher kommt sie wohl?! – zur Bushaltestelle los. Da wir den ersten Bus nach Halkidiki verpassen, haben wir noch genug Zeit, um festzustellen, dass die griechischen süßen Stückchen nicht annähernd so gut sind wie die aus Jugoslawien (Schokohörnchen und Mohnzopf in Belgrad… mmmmmhhhh…) Die nächsten vier Stunden bewundern wir vom Bus aus die tolle Landschaft des mittleren Fingers „Sithonia“. An der Haltestelle Kalamitsi steigen wir aus und finden den Himmel auf Erden: fast weißer Strand läuft leicht ins von glasklar über türkis zu pastellblau schimmernde Wasser. An den Seiten der kleinen Bucht laufen kleine Berge steil ins Meer und auf dem idyllischen Campingplatz sind fast nur Griechen. Bis auf ein paar deutsche Abenteuercamper. Einer von ihnen hat einen selbst umgebauten Mercedes-LKW, mit dem er gerne auch mal in die Wüste fährt. Da wir nichts zu essen haben, drängen sie uns eben, doch zwei von ihren Erascodosen, die sie eh nur für die Fahrt dabei haben (haltbar bis 2008(!)) mitzunehmen – echt nett! Nachdem wir kräftig schwimmen waren, sitzen wir nun mit einer Flasche griechischen „Qualitätswein“ und gefüllten Oliven am Strand, lauschen dem Rauschen der Wellen, schreiben Postkarten und genießen Griechenland…

30.7. 23:40 Moritz
Markus ist vor einer halben Stunde oder so eingeschlafen – jetzt wollte ich ihn zum Postkartenunterschreiben wecken, aber er schläft wirklich fest! Er wacht noch nicht einmal auf, wenn man ihm Stabilos in die Nase und Ohren steckt und mit einem Bleistift auf die Zähne klopft…

31.7. 17:00 Markus
HaHa, lustig lustig. Wenn man den Moritz im Schlaf allerdings mit Steinen bewirft, wacht er auch nicht auf. Aaaalso, gestern am Nachmittag waren wir dann noch schwimmen. Wir sind zu einem Felsen geschwommen, raufgeklettert und wieder runtergesprungen. Natürlich haben wir auch Gesteinsproben mitgenommen. Dadurch hat das Ganze einen wissenschaftlichen Touch bekommen. Zu essen gab es gestern übrigens gefüllte Paprikaschoten, gefüllte Weinblätter sowie Fetakäse… hmmmmmm! Heute morgen war das Wetter dann weniger berauschend: Regen. Also packen wir unsere 7 Sachen, hatten wir so und so vor. Jetzt standen wir vor der Wahl: Gleich nach Athen oder erst noch an eine abgelegene Bucht? Als wir erfuhren, dass das Wetter bis spätestens morgen besser werden soll, sattelten wir die Taschen und liefen den Strand entlang zu einer Bucht, die wir schon vom Campingplatz aus erspäht hatten. Die Bucht, mit dem Auto nicht zu erreichen, besteht aus einem schönen Strand, eingerahmt von steilen Bergen. Am Strand stehen ca. 30 Zelte, von denen aber maximal die Hälfte bewohnt ist. Die andere Hälfte wartet auf seine Besitzer. Schon bei unserem Eintreffen an der Bucht werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass dies ein „Nude Beach“ sei. ha. Hm. Nachdem die Frage nach „Mann oder Meerjungfrau“ geklärt war, bauten wir unser Zelt auf. Schnell stellen wir fest, dass wir die einzigen Nichtgriechen am Strand sind. Macht aber nix, alle sehr nett hier. Volleyball gespielt, schwimmen gewesen etc… Alles sehr relaxed und laid back hier…. Moritz hat von dem Felsen, zu dem wir geschwommen waren, in seiner Hosentasche eine der Schnecken mitgenommen, die dort herumkrochen… Jetzt waren wir noch ein bissl rumwandern, haben ne Deutsche getroffen, die seit 91 in Griechenland wohnt und hier gegrillte Maiskolben verkauft. Von allen in Griechenland wohnenden Menschen ist sie wohl von der Einstellung her die Obergriechin („Als ich am Strand gepoppt hab, haben die Polizisten nur zugeschaut.. schließlich war ich ja nicht immer 50!“) Übrigens haben wir von hier aus sage und schreibe 16 Postkarten gekauft und beschriftet…

1.8. 9:00 Markus
Erwähnte ich eigentlich, dass das Wasser hier noch klarer ist? Man kann bei Sonnenschein hier total die coolen Lichtreflexionen auf dem Meeresgrund sehen…

1.8. 11:00 Moritz
Jaja, die Community hier an der „Schweinebucht“ ist schon cool. Gestern war beim Beachball spielen ein großer Stein im Weg, dann kam ein Mann mit Gewand – sah aus wie der Cheffe vom Strand – hat alle zusammen getrommelt und gemeinsam (wir haben natürlich auch geholfen) wurde der Stein ausgebuddelt und weggeschleift. Jim, der uns beim Wasservolleyball begrüßt hat, ist echt total nett. Er kam vorhin noch mal vorbei und hat uns Brotsticks geschenkt. Überhaupt schenken uns irgendwie dauernd Leute von hier was… Die heutige Schwimmrunde führte uns weiter bis in die nächste Bucht, die Landschaft hier ist wirklich traumhaft! Wir spielen schon mit dem Gedanken, bei uns auch genau so eine Schweinebucht einzuführen. Wir brauchen nur noch ein tollen Sandstrand, klares, recht warmes Wasser, eine tolle Landschaft, viel Sonne und es sollte keine Straße hinführen ;-) na dann mal viel Spaß beim Suchen…

1.8. 14:00 Markus
Also der Strand hier ist nur geil… also cool mein ich. Aber angeblich werden es von Jahr zu Jahr mehr Zelte hier. Wenn man etwas besseres als diese Bucht will, braucht man wohl schon ein Boot, um Buchten zu erreichen, die bis jetzt unerschlossen sind. Okay, man muss dann auf so coole Leute wie Jim verzichten (haben eben erneut Nektarinen bekommen) aber man kann ja nicht alles haben. Allgemein ist es total cool, wie schnell m an in diese Community aufgenommen wird. Haben auch schon Kekse von unseren Nachbarn bekommen & Jim hat uns angeboten, nächstes Jahr, wenn wir ja sicherlich wieder an den tollsten Strand der Welt kommen, vorher in Thessaloniki bei ihm – wenn den nötig – zu übernachten. Kostenlos, versteht sich.

1.8. 15:00 Markus
Sind eben noch an der Küste entlanggeschwommen & haben Sprungpunkte gesucht. Dabei haben wir glibberige, rote Tiere entdeckt

1.8. 15:05 Moritz
Eine Höhle erforscht, in der es sogar einen Schatz zu finden gab – in Form eines Benzinkanisters, an dem auch ein rotes glibberiges Tier hing. Mir wurde es aber zu kalt, deswegen sitzen wir jetzt mit Jim, seiner evtl. Frau Maria und einem jungen Pärchen unter Jims Sonnendach. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass er uns mag… Das Pärchen beklebt sich gegenseitig mit Tatoos aus Chipspackungen – sie hatte gestern Sonne und Mond auf ihren Brüsten, Jim begrüßt wie gestern alle, die vorbeikommen und wir liegen daneben rum… Wie gestern schon, alles relaxed und laid back. hehe..

2.8. 10:00 Markus
RADLERSPAST, KNOWS EVERYBODY – PERSONALLY.

2.8. 21:00 Tom Cruise (aka Markus)
Bevor ich auf meinen Spontaneintrag eingehe – zunächst “was bisher geschah“: Gestern haben wir dann irgendwann unsere 7 Sachen gepackt und diesem traumhaften Strand hinter uns gelassen. Im Bus ging es zurück nach Thessaloniki. Dort trafen wir übrigens einige Ungarn (ja, männlich), die doch glatt meinte ich sähe aus wie Tom Cruise(!) Das erste, was ich am nächsten Spiegel tat? Reingucken & feststellen, dass ich NICHT wie Tom Cruise aussehe. Surprise, surprise… Was wir bisher noch nicht erwähnt hatten: Ganz Griechenland ist voll von Straßenkötern & Katzen. Als wir dann noch auf Gyrossuche waren, muss einer dieser Hunde, dazu auch noch ein recht riesiges Exemplar, bemerkt haben, dass wir auch Essenssuche sind. Also heftete er sich geschickt an unsere Fersen. Er trottete uns wohl mindestens 20 Minuten hinterher und ließ sich weder durch geschickte Täuschungsmanöver noch durch Straßenüberquerungen abschütteln. Erst unser wirklich fieses Verstecken in einem Internetcafé entmutigte ihn – und er verschwand. Über Nacht ging es dann nach Athen. Hätte der Schaffner nicht gesagt, dass es sich bei diesem Bahnhof um Athen handelt, hätte ich ihn wohl als Haltestelle eines Provinznestes abgetan. Aber okay. Metro-24-Stundenticket kostet 2.40 EYPO, akzeptabel. Die Jugendherberge okay, im Zimmer zusammen mit einem Spanier – und jetzt kommt’s: mit einem Australier, der die Tour de France hinterhergefahren ist. An für sich ja auch noch okay, hätte er nicht bei unserem ersten Aufeinandertreffen nicht gleich im coolsten Australienslang uns erzählt, dass er diesen und jenen aus dem T-Mobile Team kennt, den soundso aus demunddem Team blabla und zum Schluss fügte er noch an: „And all of them, Jan, Eric and all those guys from the T-Mobile Team, I know personally.“ Dann war sein Redeschwall zunächst beendet und wir haben nix gesagt. Irgendwie wollte uns dazu einfach nichts einfallen – Außer dem, was ich in dieser Situation hier vermerkt hab ;-) Gegen Mittag machten wir uns dann auf, die Stadt zu erkunden..

2.8. 21:30 Moritz
Das klassische Programm eben: Erst mal mit der Metro in die Nähe der Akropolis (riesengroß, auf größtem Berg in der Mitte, wir wollten beide nicht beim Bau in der Trägergruppe gewesen sein…) Durch winzig kleine Gässchen geht es bis ganz an die Spitze, wo wir aufpassen müssen, dass es uns nicht wieder nach unten „slippert“, wie es einer Japanerin vor uns ergeht. Die Steine sind über die Jahre so abgeschliffen, dass man ganz leicht ausrutschen kann. Doch weiter zur richtigen Akropolis, an deren Eingang wir erst mal abgeschreckt werden: Eintritt 12EUR. Holla. Nach einigem rumlaufen finden wir heraus, dass der Eintritt für Schüler oder EU-Bürger unter 19 kostenlos ist. Für mich gilt beides… Markus ist 20 und hat seinen Schülerausweis nicht dabei… Also was tun? Zum Glück ist mein Schülerausweis schon ein bisschen älter, und da ich früher anscheinen aussah wie Tom Cruise, kommt Markus damit bei der rechten Kontrolle als Schüler durch. Ich folge kurz danach einfach als 19-jähriger mit Reisepass an der linken… und wieder Geld gespart! Die Akropolis selbst wird seit einigen Jahren renoviert, deshalb bleiben wir nur ca. eine Stunde (und ein Toilettenbesuch auf der 12-EYPO- Toilette) auf der mit mehreren Kränen versehenen Baustelle. Auf dem Rückweg versucht Markus einem Lederwarenverkäufer für 12Euro (wir hatten ja gespart) ein paar Sandalen und seine Tochter – zumindest für eine Nacht – abzukaufen. Der Deal platzte aber, weil der Händler nicht bereit war, den überhöhten Preis nach unten zu korrigieren.

3.8. 0:34 Uhr Moritz
Wir kommen gerade mit der vermutlich letzten U-Bahn zum Hostel zurück

4.8. Laura
Ja und kurz danach haben sie uns kennengelernt: Laura & Julia. Beide 18, eingebildet und Julia mit zu langem Oberkörper aus Frankfurt. Wir saßen gestern abend bis um 4:00 nachts in der Nähe der Akropolis und führten manchmal interessante manchmal auch weniger interessante Gespräche. Gestern haben wir uns dann Roller geliehen und sind damit durch Athen gebraust! Der Markus und der Moritz sind die schlechtesten Rollerfahrer der Welt ;-) Ein Mal hat Markus die Rechtskurve nicht so ganz hinbekommen dann standen wir halt mal quer auf der Straße und alle Autos hupten. Auf der Autobahn waren wir auch…
Moritz und ich können beide keine Landkarten oder Straßenkarten lesen: Wir haben über ne halbe Stunde vom Omonia zur Jugendherberge gebraucht… Ja und jetzt sitzen wir im Zug nach Pir… keine Ahnung wie das heißt. ICH WILL INS WASSER!!!

5.8. Laura
Hosentausch?

6.8. 12:00 Markus
Mmmmkaay… Mal langsam und von Anfang an. Also, die 2 Frankfurter Würstchen – da war der Spaßfaktor schon mit eingebaut. Haben viel gelacht – trotz dem, dass sie eingebildet waren. Mit den 2 Rollern haben wir die olympischen Stadien und den Hafen von Athen sowie einen Berg in Athen befahren. Rollerfahren in Athen ist übrigens der helle Wahnsinn. 80 innerorts rechts überholen und Busspuren benutzen ist normal. Selbst Moritz hat an dem Tag ca. 99% aller Stoppschilder überfahren. Zu meinem Beinahezusammenstoss muss gesagt werden, dass ich an dieser Kreuzung mit dem Vorderrad über einen wirklich fiesen Kanaldeckel gefahren bin. Dieser war derart rutschig, dass ich nicht den Hauch einer Chance hatte, das Malheur zu verhindern. So. Und das mit der Autobahn… Nunja, war relativ komisch. Irgendwie gefahren, und plötzlich waren wir auf einer 6-spurigen Autobahn. Gebührenpflichtig war sie auch noch: 1EUR. Aber okay. Am Abend waren wir noch shoppen. Nach Moritz und meiner Aussage, Julia hätte einen zu langen Oberkörper, stand sie ne viertel Stunde vor dem Spiegel und hat sich mit ihrem Oberkörper befasst. Da ist man doch froh, männlich zu sein. Später waren wir dann noch sehr lecker und günstig (22EUR für 4 Personen) essen. Tags darauf machten Moritz und ich uns auf in Richtung Olympia. Weil Julia und Laura keine Idee und keinen Plan hatten, wo sie nun hin sollten, fuhren sie bei uns mit. Zunächst nach Pirgos, von dort aus nach Kaiáfas. Kamen dort bei guter Dunkelheit an und bauten unsere Zelte neben zwei anderen Zelten in den Dünen am Strand auf. Das war wohl ein ziemlicher Glücksgriff. Denn die zwei Zelte wurden von supernetten Griechen bewohnt, die uns am nächsten Morgen gleich auf einen Kaffee Frappé einluden. Obendrein bekamen wir auch noch Brot geschenkt, da wir nichts zum Frühstücken hatten.

6.8. abends Laura
Es folgt mal wieder ein obergehaltvoller Beitrag von der Tussi mit der Rechtsschaibschweche. Die netten Griechen, die neben uns gezeltet haben, nahmen Julia und mich mit dem Auto mit nach Patras, weil wir sonst womöglich die Fähre nach Italien verpasst hätten. Aber die Besitzer dieses wertvollen Buches hetzten uns, ich glaube wir hätten es auch ohne die Griechen geschafft, pünktlich nach Patras zu kommen. Jaja, Markus das hättest du nicht gedacht, dass ich mich traue meine Hose auszuziehen. Aber endcool wär’s gewesen, wenn wir sie getauscht hätten. In Halkidiki hattest du doch auch keine Scham – warum vor uns?

6.8. 23:30 Markus
Ich mach mich nur für Jim nackig. Mit ihm würde ich auch Hosen tauschen – leider hatten wir ja keine an ;-)

6.8. 23:59 Laura
Echt schade, dass du schwul bist ;-)

7.8. 19:00 Markus
Okay, jetzt mal wieder richtig gehaltvoll. Nachdem wir also unseren Kaffee frappé genossen hatten, verbrachten wir einen grill’n’chill Tag am Strand. Moritz verbrannte sich dabei ordentlich an den Schultern, die einzige Stelle an der er sich eingecremt hatte. Nachdem wir uns abgekühlt hatten (Laura musste vor allem feststellen, dass man mit 1.60m „Im Wasser bist du DRAN!“ nicht in die Tat umsetzen kann) liefen wir über die feinsandigen Dünen zurück zu den Zelten. Der Sand war derartig heiß, dass man ohne Schuhe ihn nur rennend Weise überqueren konnte. Abends wurden wir von Athiná, Agnes, Constanza und Georgos zum grill’n’chill eingeladen (für Frankfurter Meckerliesen CHILL&GRILL)

Laura:
Also richtig heißt das „Chill n’ Grill“, der Markus bekommt es nur nicht gebacken und meint aber trotzdem Plan zu haben.. Das Landei ;-)

Markus:
In der Stadt kann man bei dem Verkehr und dem Lärm weder grillen NOCH chillen… Jedenfalls war das Essen total gut. Pappsatt wollten wir eigentlich noch baden gehen. Doch das klappte leider nicht so wie geplant, denn Laura und Julia – wir wollen ja ehrlich sein – zerstritten sich so heftig, dass wir alle früher oder später schlafen gingen. Ich zum Beispiel um 5:50Uhr, um am nächsten Morgen um 7:00 Uhr Richtung Olympia aufzubrechen…

8.8. 3:00 morgens Laura
Wir befinden uns in einem „Stundenhotel“ in Napoli. Na ja, der Markus wollte nicht mit mir in einem Bett schlafen, so hab ich ihn halt angemalt mit Eyeliner… Was der wohl so träumt?! Als ich seine Lippen umranden wollte, zog er seine Lippen zu einem Kussmund zusammen, als ob er mich küssen wollte… Apü.. ne ne sooo nischt…

8.8. 17:00 Moritz
Stundenhotel ist relativ… Wir waren zwar nur ein paar Stunden dort, mussten aber trotzdem den vollen Preis (25EUR pro Person inkl Frühstück) zahlen. Aber um unsere Geschichte zu komplettieren noch mal zurück zu Olympia. Markus und ich bildeten uns kulturell weiter (für Schüler war Olympia kostenlos, also hatten wir durch den alten Trick am Ende 3 Karten für 2 Leute), während Laura und Julia.. nun ja, sagen wir sie haben ihre sozial-kommunikative-Seite trainiert; Sie verpassten Bus und Zug und wurden von „unseren“ netten Griechen nach Patras gefahren. Dort angekommen wurden Markus und ich gleich mit leckeren Fleischspießen überrascht – merke: So nette Leute wie in Griechenland trifft man selten! (Insider wissen ja, dass wir dort nicht nur Griechen getroffen haben – schleim, schleim). Leider mussten wir Agni und Athin� in Patras zurück lassen und auf der Fähre einchecken. Von der Fahrt nach Bari gibt es nicht viel zu berichten, ich hatte bei der Abfahrt meinen Kopf über die Reling gehalten, worauf hin die Haare total versalzt waren. Ansonsten schliefen wir auf Deck in den Bänken. Julia hatte Angst herunterzufallen, am Ende wäre ich bei einer Drehung beinahe unterm Tisch gelandet. Um so etwas zu vermeiden hat sich Laura von Anfang an dort schlafen gelegt.. Somit zwar überdacht, aber nicht wirklich windgeschützt. Dagegen halt auf nicht ihr zu dem Tisch zusätzlich aufgebautes „Zelt“ in Form eines Vorhangs aus Zeltplane. Da Bari so ziemlich die hässlichste Stadt Italiens ist, wollten wir dort natürlich so schnell wie möglich wieder weg. Als wir an der Fähre am Ausgang ankamen war die Fußgängerbrücke schon hochgeklappt, also ging’s über den Ausgang für Autos. Vom Hafen aus fuhr ein Bus an den Bahnhof, der nächste ging aber erst in 20 Minuten. Die optimale Voraussetzung für eine Wette! Markus und ich laufen, die faulen Mädels nehmen den Bus. Wer als letzter ankommt, schmiert die Frühstücksbrötchen. Wenn man bei irgendetwas verlieren kann, wird es bei Laura kritisch, es geht ihr nie um die Sache, sondern einfach nur darum, nicht zu verlieren. Dafür würde sie wohl über Leichen gehen… Im nachhinein fällt mir übrigens ein, dass sie sich immer ums Brötchen schmieren gedrückt hat… wahrscheinlich hat sie ihre Niederlage verdrängt, um nicht ewig an Depressionen zu leiden. Von Bari aus gehen zwei Varianten nach Palermo: Ein Bummelzug abends um 11, der direkt fährt, oder ein schnellerer Zug morgens, mit 6 Stunden Aufenthalt in Napoli. Klar, dass wir den früheren Zug nach Neapel nehmen. Nachdem die Mädels den Plan verstanden hatten (wir kamen ca. 7:30 am Bahnhof an, der nächste Zug ging um 8:05 Uhr), hätten wir fast den Zug um 9:10 auch noch verpasst.. nachdem der erste ja schon weg war. Manchmal sind sie halt doch etwas träge, die Mädels… In Neapel gaben wir unser Gepäck in der „linken Gepäckabgabe“ (left luggage) ab, stellten fest, dass die Stadt zwar nicht so hässlich, dafür aber mindestens genauso dreckig wie Bari ist und aßen in folgender Reihenfolge erst Eis, dann jeder eine Pizza und danach noch mal Eis. Die Pizza, als beste Pizza der Welt von Lonley Planet gekürt, war gut. Aber ich hab auch schon bessere gegessen. Als wir das Restaurant wieder verließen, hatte sich schon eine Schlange hungriger gebildet, die auf Einlass warteten. Die Pizzeria scheint also nicht nur im Lonely Planet empfohlen zu werden. Sie war jedenfalls proppevoll geworden. Richtig spannend wurde es erst, als wir gegen 23:00 Uhr an den Bahnhof kamen, bzw als unser Zug um 23:50 Uhr einfuhr: Er hatte nur Schlafwägen dabei, keine Sitzplätze. Und alles war reserviert. Wir standen also um Mitternacht in Neapel, der wegen Diebstahlgefahr wohl am gefährlichsten Stadt Italiens (Reiseführer) am Bahnhof, es fuhr nirgendwo mehr ein Zug hin und alle Jugendherbergen waren voll. Dafür trafen wir auf viele unterschiedliche Leidensgenossen/-innen:

11.8. 15:09 Markus
Ja, es waren ca. 30 Leute auf dem Bahnsteig. Darunter auch 3 Däninnen – ebenfalls mit Rucksack unterwegs. Das bemerkenswerte daran: Eine dieser hatte doch tatsächlich Absatzschuhe an. Leider schlossen sie sich uns nicht in Richtung Stundenhotel an – sie wollten die Nacht lieber am Bahnhof schlafen. Verständlich: 25er die Nacht inkl „Frühstück“ bestehend aus 4 Schokocroissants und einer Flasche Orangensaft für 4 Personen war ihnen zu viel. Auch zu viel waren 25EUR für 2 Finninnen. Groß, blond und in Minirock hatten sie den letzten Zug nach Pompeji verpasst. Dort befand sich Gepäck sowie andere Kleidung. Dann eben eine Nacht Neapel im Minirock erleben.. Was im Stundenhotel selbst passierte hat Laura bereits weiter vorne geschrieben ;-) Am folgenden Tag wollten wir eigentlich auf die Insel Stromboli. Am Hafen angekommen staunten wir nicht schlecht über 48EUR einfachen Ticketpreis sowie über das Kleinkind, das seine Notdurft einfach am Yachthafen verrichtete. Da fällt mir ein, in Italien gibt es unglaublich viele dicke Kinder. Und damit sie auch ja nicht abnehmen, bekommen sie schon in jungen Jahren ein Minimotorrad. Merke: Bewegung ist bööööse! Also nicht nach Stromboli. Ein Blick in den tollen Lonely Planet verriet unser nächstes Ziel: Pompeji. Also schlossen wir unsere Rucksäcke wieder in der „linken Gepäckabgabe“ ein und begaben uns zunächst noch in ein „Café“. Moritz wollte in ein Internetcafé, Laura und ich hätten da auch nichts gegen gehabt. Nur Julia mit ihrer Internetallergie zickte rum, wollte in ein „echtes“ Café. Also schlossen sich Laura und ich aus Solidarität Julia an. Auch nicht dumm: Um Kosten für die Kloreinigung zu sparen existiert auf dem Klo des Cafés, in dem wir waren, kein Klopapier/keine Klopapierhalterung. Und auch keine Klobrille. Aber Widerstand ist zwecklos: Ich habe Taschentücher! Okay, irgendwann haben wir dann doch noch einen Zug bekommen. Frisch gestärkt mit Döner in Baguettebrot. Auch Laura konnte uns den Appetit mit ihrem „die Sauce ist aus Wichse“ nicht verderben. So saßen wir also im Zug. Unsere Beschäftigung lag im Ausprobieren von verschiedenen Klingeltönen sowie dem Spielen von möglichst lautstarken Handyspielen. Schließlich mussten wir anderen, ebenfalls am Handy spielenden Zuggästen Paroli bieten. In unserem Spielewahn sahen wir auch mal aus dem Fenster. Beispielsweise zu dem Zeitpunkt, als der Zug den Bahnhof von Pompeji wieder verließ. Na toll.

11.8. 18:15 Moritz
Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt geschlafen, war die Übernachtung zwar im Hotel, aber trotzdem zu kurz… Nächster Stop war dann in Salerno, wo wir kurz ausstiegen, etwas aßen und den Hafen anschauten. 30 Minuten später ging es wieder zurück nach Pompeji, wo wir nach dem Eintreffen feststellen mussten, dass die antike Stadt schon geschlossen hatte. Bei einem kleinen Spaziergang durch das „neuere“ Pompeji trafen wir auf streikende Souvenirverskäuferinnen, die inzwischen anscheinend nur noch in einer Straße mit Nutten zusammen Souvenirs verkaufen dürfen… (Streik-Flyer ist hinten eingeklebt) Am anderen Ende der Stadt gab es einen zweiten Bahnhof, von dem aus wir schneller nach Neapel zurück kamen. Also, quasi einmal den ganzen Tag durch die Pampa gefahren und nichts gesehen… Aber was soll’s, es war ja Abend und wir wieder in Neapel – juhu!
Die nächste Überlegung war dann, nach Capri zu fahren. Die Sache scheiterte aber an den Fähren, da die letzte genau 2 Minuten nach unserer Ankunft im Bahnhof abfuhr. Noch eine Nacht in Neapel muss nicht sein, also nehmen wir einen Zug an die Küste, nach Salerno. Am Bahnhof angekommen treffen wir auf einen schwäbelnden Polizisten, der einige Jahre bei Porsche gearbeitet hat und uns empfiehlt, doch den Zug um 1:44 Uhr zu nehmen – der nicht in Neapel hält und wir deshalb nichts von ihm wussten.
Die Wartehalle dann war echt der Hammer: Laura prägte den Begriff der „Höllenoma“, einer älteren Frau mit einem so riesigen Buckel, dass man den Kopf nicht mehr sieht, wenn man sie von hinten ansieht. Ein weiterer Wartender war ein dickleibiger Mann, der wirklich unglaublich laut schnarchte. Er hat sich im Schlaf erst im Ohr gebohrt, dann in der Nase und hat schließlich das Ohrenschmalz-Popel-Gemisch gegessen. Sich daran verschluckt und einen riesigen Schnarcher gelassen. Fast (aber nur fast) wäre er auch aufgewacht, sackte dann aber wieder zusammen und schlief weiter.

12.8. 23:00 Markus
Eigentlich sind wir ja schon zu Hause, aber ich muss den Bericht ja noch fertig schreiben… Ja, diese Wartehalle hatte einen wirklich hohen Spaßfaktor. Ich hab sogar das Schnarchen des Mannes aufs Handy aufgenommen… Wir mussten wirklich an uns halten, um nicht lauthals loszuprusten. Auch gut: Das WC des Bahnhofs war ausgeschildert. Nur irgendwie endeten alle WC Schilder in der Wartehalle. Auf dem Klo waren wir also, haben es aber unsachgemäß benutzt. Nachdem Laura noch einige Male von der Höllenoma angestiert worden war, kam auch irgendwann unser Zug. Schnell einsteigen war nicht möglich, da ich Lauras Rucksack tragen musste. Diesen zu tragen war alles andere als einfach, seit dem Laura ihn vor der Abfahrt nach Salerno kaputt gemacht hatte: Der Rucksack hatte nur noch einen Schultergurt. Aber egal. Schnell einsteigen war so und so nicht nötig, da alle Abteile besetzt waren. So verbrachten wir also eine Nacht auf dem Gang des Waggons. Ich schlief gar nicht mal so schlecht und wachte erst auf, als der Zug auf die Fähre verladen wurde. In Milazzo stiegen wir aus und fuhren per Bus zum Hafen. Tickets kaufen, ins Café setzen, frühstücken. Palmwedel suchen und Principessa Laura Luft zufächern… So verbrachten wir die Zeit bis zur Abfahrt in Richtung Lipari. Die Fahrt an sich war relativ unspektakulär, ich verbrachte sie Musik hörend und sonnend an Deck, Moritz malte der mit halb geschlossenen Augen schlafenden Laura ein schönes Herztatoo auf die Schulter (Danke, dass du mich gerächt hast ;-) ) Das Wasser hier hat übrigens einen unglaublich intensiven Blauton… Auf Lipari dann sahen wir zum ersten Mal schwarzen (Vulkan-) Sand. Richtig komisch. Jedenfalls versuchten wir zunächst, die Jugendherberge zu finden. Wie anstrengend das sein kann… Unglaublich hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze und steile Straßen schlauchten ordentlich. Schließlich fanden wir heraus, dass die JH bis zum 20. August ausgebucht ist. Na toll. Also machten wir uns auf die Suche nach dem Campingplatz. Dieser war der Wahnsinn: Ein Zelt neben dem anderen, dicht beieinanderstehend. Staubiger Boden – aber zumindest Schatten durch ein paar Bäume. Zelt aufgebaut, dann bei unseren Nachbarn bescheid gegeben, dass wir ihre Hilfe brauchen werden: Vor der Abfahrt nach Lipari hatten wir uns eine 16 kg(!) Melone gekauft. Diese würden wir nicht alleine essen können – dachten wir. Doch an diesem Abend wurde die Melone noch mal verschont. Wir holten uns Pizza bzw Thunfischbrötchen beim Campingrestaurant. Thunfischbrötchen kostet 2EUR. Okay, ich gebe der Frau, die kein Englisch spricht, 10EUR. Sie deutet mir an, ob ich denn Kleingeld hätte. Moritz hilft mir mit einem 2EUR Stück aus. Als Wechselgeld bekomme ich 50 Cent. Hm. Ich versuche der Frau ihren Fehler zu erklären – schaffe ich scheinbar auch, denn sie nimmt mir die 50 Cent wieder weg. Was bekomme ich? 18EUR! Auch nicht schlecht. Später waren wir dann noch an dem Strand baden, haben die Sterne angeguckt und versucht auf geparkte Boote zu klettern. Was die mysteriösen weißen Flecken im schwarzen Meer waren, wird wohl nie ans Licht kommen.. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen. Moritz und ich schwammen noch ne Runde, bevor wir uns fertig machten, um in die Stadt zu fahren. Während dem Warten auf die Mädels schlief ich zwar fast ein, macht aber nix. Die Stadt Lipari an sich ist klein und beschaulich. Nachts haben viele Kneipen und Bars offen. Wir setzen uns in eine rein – ich schlief am Tisch ein… Am nächsten Tag mussten Moritz und ich uns auf den Heimweg machen. Julia und Laura wollten eigentlich noch länger auf Lipari bleiben – doch konnten es ohne uns nicht aushalten. Also fuhren wir gemeinsam zurück. Doch zunächst frühstückten wir. Moritz kaufte Milch: 1,5 % Fett Milch für Moritz und mich, 3,5%ige für Laura und Julia. Zog natürlich Hohn und Spott auf uns, war wir denn für welche wären usw. Machte uns aber nix ;-) CheckOut um 11:00 Uhr schien unmachbar. Um halb 11 saßen wir noch beim Frühstück. Moritz und ich schafften es um 7 nach 11 auszuchecken. Als wir die Mädels zurückließen um auf sie am Ausgang zu warten stand noch ihr gesamtes Zelt. Trotzdem schafften sie es, um 11:15 am Ausgang zu sein. Ich war verblüfft. Vor dem Campingplatz machten wir es uns bequem und begannen, die 16 kg Melone zu verspeisen. Irgendwann fuhren wir mit dem Bus dann zurück zum Hafen. Dort dann Tickets für die Fähre zurück gekauft. Außerdem: Im Hafen(!) von Lipari ist das Wasser derartig klar, dass man sogar den Grund des Meeres sowie die Fische im Wasser sehen kann… Was noch gesagt werden muss: Julia konnte es nicht lassen, mich beim trinken zu stören. Ende vom Lied war eine total durchnässte Julia. Aber wer nicht hören will muss eben fühlen. Aber es sollte nicht das letzte mal sein, dass Julia wie ein begossener Pudel dasteht. Die Rückfahrt nach Sizilien verlief relativ unspektakulär. Moritz und Laura schliefen, Julia diktierte mir als „Sekretärin“ Postkarten… Außerdem müffelte ich stark, da ich meine in Neapel nassen Klamotten nicht wieder ausgepackt hatte ;-) In Milazzo wieder angekommen machten wir uns auch gleich auf den Weg zum Bahnhof. Dort verbrachten wir noch einige lustige bzw nasse (gell Julia – diesmal dank Moritz) Stunden, bevor wir den Zug Richtung Mailand bestiegen. Schlafwagen mit Bett für 19.50EUR die Nacht. Ich schlief zunächst nach Weingenuss sitzend auf Julias Liege ein, was mich zu ihrem Kopfkissen machte. Doch irgendwann fand auch ich meine Liege. In Rom stiegen die 2 Mädels dann aus, um 5 in der Früh’… großes Abschied nehmen und danach sofort weiterschlafen. In der Schweiz vertilgten Moritz und ich die letzten Melonenstücke, ergötzten uns an saftig grünen Wiesen und waren, ehe wir uns versahen wieder in Karlsruhe.
Interrail 2004, das war’s. Und es war OBERkuhl.

Abschließend möchte ich, Markus, mich bei Moritz bedanken. Ich glaube es gibt nicht viele von deiner Sorte: Nett, diplomatisch, organisiert, zuverlässig und spaßig.
Und das Beste: Du warst mein Reisepartner ;-)

Und vielleicht noch ein paar Worte in Richtung Frankfurt.
Sicherlich ist nicht alles so gelaufen wie erhofft und oft hatten wir auch keine Lust, weiter mit euch zu reisen. Doch all zu oft wurden wir dafür mit OBERwitzigen Momenten entschädigt – Höllenoma, Handyspiele, Wasserspiele, Hosentausch… Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Auch wenn manches nervenaufreibende hier unerwähnt bleibt, hoffe ich für euch beide das Beste. Vergesst nie, was es bedeutet eine beste Freundin zu haben. Moritz und ich haben die Tage mit euch nicht bereut und freuen uns auf ein Wiedersehen. Wird dann mal vielleicht ein richtiger Landeiurlaub für euch ;-)

Und nun noch ein paar Fakten:

Verschickte Postkarten
Markus 54
Moritz 31

Unterschrieben auf Postkarten
Markus 64
Moritz 47

Wir haben 150 Bilder geschossen: 3.5 Filme � 36 Bilder, 1 Film � 24 Bilder

Wir haben insgesamt 6093km zurückgelegt.

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