July 26, 2008

Waffen

Eine Woche später und schon wieder einige Erfahrungen reicher.
Gestern waren wir in einem richtigen Hillbilly-Shop. Hillbillies sind – positiv formuliert – die Menschen, die eher abgeschieden auf ihren Farmen leben, sich daher gerne selbst mit einer (oder mehreren) Waffe schützen und meist irrsinnig große (und damit meine ich auch für hiesige Verhaeltnisse große) Trucks fahren. Was die eigene Vorstellungskraft etwas unterstützen sollte, ist ein weiteres – für mich ungewöhnliches – Detail: In Tennessee werden Kraftfahrzeuge nicht untersucht, es gibt keine Straszenzulassung; was rollen kann, darf das auch auf öffentlichen Straßen.

Zurück zum Bass Pro Shop, dem Einkaufsparadies für Outdoorliebhaber. Eine rießige Halle, mehrere Stockwerke und über die komplette Höhe eine künstliche Berglandschaft mit gigantischem Indoor-Wasserfall dekoriert. Darum herum eine ausgestopfte Bärenfamilie plus Bergpuma. Der Laden ist in mehrere Bereiche unterteilt, es gibt Camouflage-Anzüge fuer mindestens 50 verschiedene Baumarten, mehrere Regalreihen (8 Stueck, jede 20m lang) mit Gummi-Schlabber-Angelködern und Angeln, weitere Reihen mit diversen Outdoor-Kleider-, Schlafsack-, Zelt- und Schuhangebote. Im zweiten Stock kommen wir dann zu den Waffen. Das sind zum einen natürlich Jagdgewehre, Shotguns und Handfeuerwaffen, was mich aber wunderte war die enorme Auswahl an Jagdbögen (ab $300 aufwärts). Die Jagdgewehre und Schrotflinten kann (nach Teilnahme an einem Kurs) jeder kaufen, der keine Vorstrafe mit Bezug zu Waffen hat, die Pistolen werden nur an Bewohner des Staates Tennessee abgegeben. Der günstigste Vorderlader den ich gesehen habe lag bei etwa $100. Direkt daneben ist eine kleine Spielhalle aufgebaut, in der man mit der Schrotflinte auf Hasenjagd gehen kann oder jahrmarktähnlich andere Ziele erlegt. Im hinteren Teil kommen wir nun zum teureren Inventar: Offroad-Buggies ab $12.000 oder Boote – vom Rennboot bis zur kleinen Jacht ist eigentlich alles dabei. Der Fussweg, den wir bisher im Laden abgelaufen haben, übertrifft wohl bei weitem die hier übliche durchschnittlich zu Fuss zurückgelegte Tagesstrecke, daher gibt es Einkaufswagen, auf die man sich, ähnlich einem kleinen Traktorrasenmäher, setzen kann um durch den Laden zu fahren. Zwischen zwei der Boote hat sich ein älterer Herr auf seinem elektrischen Einkaufswagen quer gestellt und versucht verzweifelt sich wieder heraus zu manövrieren. Inmitten dieser merkwürdigen Einkaufswelt: ein Shop-in-Shop Starbucks, der mich mit einem warmen Kaffee vorm Tod durch Erfrieren rettet. Beim Weg zurueck in die 33 Grad Celsius warme Außenwelt, fällt mein Blick noch einmal auf das Schild am Eingang: “Bitte mitgebrachte Pistolen, Shotguns und Jagdbögen an der Kasse hinterlegen”.

Hallo Moritz,

klingt ja fast so, als würdest du dich wohlfühlen.

Wann kommst du eigentlich wieder?
Gruß
Andi

Comment by Andi — September 29, 2008 @ 4:28 pm

Hej Moe!
Seh’ grade deine umfangreiche Reise-Doku – nicht nur für die USA – holla!
Die Bilder aus Thailand sind echt fein!
Meld’ dich mal, wenn du wieder in Stuttgart bist… N Weinchen trinken!?
Ansonsten sehen wir uns vielleicht an der Uni…
Gruß,
Cornelius

Comment by Cornelius — October 13, 2008 @ 8:44 am

Die Bilder aus Thailand haben wirklich was, muss man schon sagen…

Comment by Werner Sonne — March 8, 2010 @ 10:37 am

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